Das Schallschutzprogramm des BER

Die Schallschutzgebiete
Im Umfeld des Flughafens werden vier Schutzgebiete ausgewiesen. Diese werden durch Isophonlinien umschrieben, die auf der Grundlage der Häufigkeit von Flugbewegungen, der prognostizierten Flugzeugtypen, der Flugrouten, der Flughöhe und Fluggeschwindigkeit sowie der Triebwerks-leistung als energieäquivalenter Dauerschallpegel berechnet werden. Der Dauerschallpegel wird als Mittelwert der zu erwartenden Lärmereignisse in den sechs verkehrsreichsten Monaten im Jahr außerhalb der Gebäude nach DIN 45643 (Messung und Beurteilung von Flugzeuggeräuschen) ermittelt. Diese Berechnungsgröße kann in der Wahrnehmung durch den Menschen nicht mit einem konkreten Schallereignis verglichen werden. Das menschliche Ohr und Gehirn kann Schallereignisse nicht mitteln. Die einzelnen realen Schalldruckwerte sind um ein Vielfaches größer.
Außerhalb der Schutzgebiete ist zwar auch mit stärkerem Fluglärm zu rechnen, es besteht jedoch kein Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen. Sollten dort die für die Schutzgebiete festgelegten Lärmpegelwerte überschritten werden, so sind diese durch den Eigentümer über normierte Langzeitmessungen (mind. 1 Jahr) und entsprechender Auswertung nachzuweisen.


Das Entschädigungsgebiet mit Übernahmeanspruch
Dieses Schutzgebiet umfasst eine Fläche, die von den Grenzlinien eines für die Tagstunden ermittelten Dauerschallpegel von 70 dB(A) umschlossen wird. In diesem Gebiet haben die Eigentümer einen Übernahmeanspruch auf Entschädigung in Höhe des Verkehrswertes.


Das Entschädigungsgebiet für den Außenbereich
In diesem Schutzgebiet besteht ein Anspruch auf eine pauschale Entschädigung wegen der Nutzungsbeeinträchtigung im Außenwohnbereich (Terrassen, Balkone, Kleingärten etc.). Das Schutzgebiet umfasst eine Fläche, die von den Grenzlinien eines für die Tagstunden ermittelten Dauerschallpegel von 62 dB(A) umschlossen wird.


Das Tagschutzgebiet
Das Tagschutzgebiet umfasst das Gebiet, das von der Grenzlinie eines für die Tagstunden ermittelten Dauerschallpegels von 60 dB(A) umschlossen wird. In diesem Gebiet besteht ein Anspruch auf Schallschutzvorrichtungen für Wohnräume, Büroräume, Praxisräume und sonstige nicht nur vorübergehend betrieblich genutzte Räume. Das Tagschutzziel ist zu gewährleisten.


Das Nachtschutzgebiet
Das Nachtschutzgebiet wird über zwei Kriterien für den Außenschallpegel ermittelt. Es umfasst das Gebiet, das einerseits von der Grenzlinie eines für die Nachtstunden ermittelten Dauerschallpegels von 50 dB(A) und andererseits von den Grenzlinien, die sechs Lärmereignissen in einer Durchschnittsnacht der sechs verkehrsreichsten Monate mit einem Maximalpegel von 70 dB(A) entsprechen, umschlossen werden. In diesem Gebiet besteht ein Anspruch von Schallschutzeinrichtungen für Schlafräume. Das Nachtschutzziel ist zu gewährleisten.

Schutzziele
In den Schallschutzzielen werden die Bedingungen im Inneren der Gebäude beschrieben, die durch Schallschutzmaßnahmen erreicht werden müssen. Sie werden über Maximalpegel in Kombination mit einer Häufigkeit (NAT) und über Dauerschallpegel festgelegt. Der Maximalpegel beschreibt ein einzelnes Schallereignis (z.B. Überflug).


Schutzziel Tag
In allen Wohnräumen, Büroräumen, Praxisräumen innerhalb des Tagschutz-gebietes muss gewährleistet sein, dass bei geschlossenen Fenstern keine höheren Maximalpegel als 55 dB(A) auftreten und zur Vermeidung von Kommunikationsstörungen ein Dauerschallpegel von 45 dB(A) nicht überschritten wird.


Schutzziel Nacht
Für Schlafräume innerhalb des Nachtschutzgebietes muss gewährleistet sein, dass im Rauminnern bei geschlossenen Fenstern und ausreichender Belüftung in der Durchschnittsnacht der sechs verkehrsreichsten Monate nicht mehr als sechs Maximalpegel über 55 dB(A) auftreten (NAT 6) und ein für die Nachtstunden ermittelter Dauerschallpegel von 35 dB(A) nicht überschritten wird.

Schallschutzmaßnahmen
Von den derzeit betroffenen und schallschutztechnisch zu ertüchtigen 25.500 Wohneinheiten (WE) liegen 14.000 im Tageschutzgebiet und 11.500 im Nachtschutzgebiet. Außerdem haben ca. 10.000 WE einen Entschädigungs-anspruch im Außenwohnbereich. Durch die veränderten Flugrouten sind nur wenige neue Ansprüche hinzugekommen.
Der bauliche Schallschutz umfasst mehrere Fachgebiete (Bauakustik, Bauphysik, Wärme- und Feuchtigkeitsschutz, Lüftungstechnik). Diese Komplexität wird derzeit in den Berechnungen und Schutzmaßnahmen am Gebäude durch die FBB sowie in den Objektbeurteilungen bei weitem nicht plausibel abgebildet.
Die Anforderungen zum baulichen Schallschutz richten sich nach dem Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm (2. FlugLSV) und nach den Forderungen der DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau), VDI 2719 (Fenster und deren Zusatz-einrichtungen) und DIN EN ISO 140-5 (Akustik - Messung der Schalldämmung in Gebäuden und von Bauteilen). Darüber hinaus sind bei Änderung oder Ersatz von Bauteilen die Forderungen der Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV) und deren Nachfolger (2014) zu beachten.
In § 9 der EnEV ist festgelegt, dass bei Änderung um mehr als 10 % der jeweiligen Bauteilfläche (z.B. Fen­stertausch oder Änderung der Außenwand- oder Dachfläche) eines Wohngebäudes die Forderungen an die Bauteile entsprechend Anlage 3 zu erfüllen oder auf 140 % des Jahres-Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes und des Transmissionsverlusts zu begrenzen sind. Welches Verfahren hier günstiger ist, hängt von den durchzuführenden Maßnahmen und auch von den wärmetechnischen Eigenschaften der Bauteile ab, die nicht geändert wurden. Beide Verfahren sind zulässig.

Lüftungstechnische Einrichtungen
Im PFB ist festgelegt: „Ist der gebotene Schallschutz nur dadurch zu bewirken, dass die Fenster der Räume geschlossen gehalten werden, ist für geeignete Belüftungseinrichtungen an diesen Räumen Sorge zu tragen.“ Für die lüftungstechnischen Maßnahmen gilt die DIN 1946-6 (Raumlufttechnik: Lüftung von Wohnungen) in der jeweils gültigen Fassung. Die DIN 1946-6 wurde neu gefasst und ist im Mai 2009 verbindlich geworden. Sie fordert die Erstellung eines Lüftungskonzepts, wenn lüftungstechnisch relevanten Änderungen am Gebäude vorgenommen bzw. wenn Einzelraum-Lüftungsgeräte eingesetzt werden.

 

Der Flughafenbetreiber verweigert sowohl die Erstellung eines Lüftungskonzepts als auch den Nachweis bei der Abnahme.

 

Da die freie Lüftung über Fenster aus Schallschutzgründen nicht angewendet werden kann, muss eine ventilatorgestützte Lüftung eingesetzt werden.

Unabhängig von der Luftdichtheit der Gebäudehülle wird durch die FBB für alle Gebäude gleich ein Überdruck-Lüftungssystem mit Einzelraum-Zuluftgeräten auferlegt. Da keine Außenluftdurchlässe (ALD) und Überströmdurchlässe (ÜLD) eingebaut werden, ist ein Nachweis für die Begrenzung des Überdrucks nicht möglich. Die Abluft soll über die Undichtheiten in der Umhüllungs- konstruktion abströmen. Dadurch werden nicht nur bauphysikalische Risiken durch Tauwasserabscheidung innerhalb der Außenbauteile verursacht, sondern sind auch die veröffentlichten technischen Daten der verwendeten Lüftungsgeräte in Bezug auf Schallemission und aufgenommene elektrische Leistung fragwürdig.

 

Für die ventilatorgestützte Lüftung definiert die DIN 1946-6 drei prinzipielle Systemlösungen: Einrichtungen mit Abluftanlage (Unterdrucklüftung), Einrichtungen mit Zuluftanlage (Überducklüftung) und Einrichtungen mit Zu-/Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Gleichdrucklüftung). Für die Unterdruck- und Überdrucklüftung sind ALD und ÜLD erforderlich, damit keine zu großen Druckunterschiede in den Räumen auftreten können. Besonders kritisch sind Zuluftanlagen zu betrachten, weil die im Raum aufgenommene Feuchte mit der Luft über Undichtheiten unkontrolliert in die Außenwand- konstruktion gedrückt wird, die Wärmedämmung durchnässt und Fäulnis- und Schimmelpilzbildung verursachen kann.

 

Das verwendete Lüftungssystem der FBB widerspricht somit den Forderungen der DIN 1946-6. Ebenso werden die Bedingungen für den Einsatz der Zuluftgeräte in der Zulassung durch das DIBt nicht eingehalten. Die Lüftungsgeräte sind nur zugelassen, wenn geeignete Abströmeinrichtungen vorhanden sind. Das eingebaute Lüftungssystem der FBB ist regelwidrig.

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Erstellt am:

05.04.2013

Letzte Aktualisierung:

04.07.2018

03.07.2018

Urteil des OVG zum Schallschutz

Drei von vier Klagen von Anwohnern des BER zum Schallschutz waren erfolgreich.

Lesen Sie die Pressemitteilung des OVG unter Download und Links >>>

 

13.01.2017

Neue Lüftungsgeräte

Nach 10 Jahren Forderungen der Betroffenen und 8 Monaten seit dem Urteil des OVG hat sich die Flughafengesellschaft nun endlich entschlossen, Lüftungs-geräte mit Zu- und Abluft und Wärmerückgewinnung in den zum Schlafen genutzten Räumen für alle anspruchsberechtigten Wohneinheiten in den Schall-schutzgebieten einzusetzen.

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

03.05.2016

Urteil des OVG zur Lüfterklage

Das OVG hat der Klage der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow stattgegeben und verpflichtet die Flughafengesellschaft eine Lüftungsplanung durchzuführen bevor Lüftungsgeräte eingebaut werden.

Lesen Sie die Pressemitteilung des OVG unter Download und Links >>>

 

Berechnungen im hx-Diagramm

Sie finden das Programm unter Download und Links >>>

 

Tauwasserbildung bei Exfiltration

Lesen Sie unter Download und Links >>>

 

Was fehlt in den Anspruchsermittlungen?

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

Innendämmung und Überdrucklüftung - eine fatale Kombination.

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

Was soll man dazu noch sagen?

Die FBB behauptet, der Einsatz und Betrieb von Lüftungsgeräten in den Wohnungen sei keine lüftungstechnische Maßnahme.

Zur Auswertung über die neuen Anspruchsermittlungen lesen Sie unter Downloads und Links >>>

Aktuelles

Jeden Montag 19:00 Uhr

Demo-Mahnwachen

Marktplatz Friedrichshagen

 

19.08.2015

Volksbegehren in Branden- burg

Mit einem Volksbegehren wollen Umweltinitiativen und betroffene Anwohner eine dritte Startbahn am BER verhindern und die Zahl der Flugbewegungen auf 360.000 pro Jahr gesetzlich begrenzen. Für ein erfolgreiches Volksbe-gehren sind bis zum 18.02.2016 80.000 Stimmen erforderlich

 

16.02.2015

Öffentliche Anhörung

im Sonderausschuss des Brandenburger Landtags zum Schallschutz am BER.

 

03.02.2015

Volksinitiative in Branden- burg

Der Landesabstimmungsleiter hat seinen Prüfbericht zur Volksinitiative "KEINE 3. STARTBAHN AM BER" vorgelegt. Demnach ist die Volksinitiative mit 26.246 gültigen Unterstüt-zungsunterschriften erfolgreich.

 

21.02.2014

Vollzugshinweise zur Anwendung der DIN 1946-6

Die Obere Luftfahrtbehörde verpflichtet die Flughafengesell- schaft mit neuen Vollzugshinwei- sen zur Anwendung der DIN 1946-6 "Lüftung von Wohnun- gen".

Das bisher von der FBB aufer- legte Lüftungssystem dürfte damit hinfällig sein und muss nun gerichtlich geklärt werden.

 

28.01.2014

Mehdorn verliert Schallschutz-Streit

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerde der Flughafengesellschaft verworfen und das Urteil des OVG zum Tagschutzziel endgültig bestätigt.

 

02.10.2013

Blankenfelde-Mahlow klagt gegen "Schalldämmlüfter"

In einer Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin Brandenburg soll die Rechts- widrigkeit des Einsatzes der ungeeigneten Zuluftgeräte festgestellt werden.