Lüftungsanlagen im Wohnungsbau

Die Möglichkeiten für die Realisierung einer Lüftungsanlage sind entsprechend den örtlichen Begebenheiten sehr vielgestaltig. Eine Lüftungsanlage umfasst die Gesamtheit aller Geräte und Komponenten einschließlich des Kanal- verteilnetzes sowie der Steuer- und Regeleinrichtungen, die für einen ordnungsgemäßen und sicheren Lüftungsbetrieb unter Berücksichtigung bauphysikalischer, lüftungstechnischer, hygienischer und energetischer Anforderungen notwendig sind. Es wird zwischen aktiven Komponenten (z. B. Ventilatoren) und passiven Komponenten (z. B. Luftdurchlässe, Luftfilter, Schalldämpfer u. dgl.) unterschieden. Dabei ist aus hygienischen Gründen besonders auf die Luftführung zu achten. Die gefilterte Außenluft wird immer erst den Räumen (Zulufträume) mit den höchsten hygienischen Anfor- derungen (z. B. Wohn- und Schlafräume oder Kinderzimmer) zugeführt, strömt dann über Räume (Überströmräume) mit geringeren hygienischen Anforderungen (z. B. Flure) zu den Räumen (Ablufträume) mit hoher Schadstoff- und Feuchtelast (z. B. Küche und Bad) über, von denen sie ins Freie abgeführt wird. Dabei ist zu beachten, dass die zugeführte Außen- luftmenge auch in der gleichen Größenordnung kontrolliert abgeführt wird und keinesfalls in die Umhüllungskonstruktion eindringen darf, um irreversible Feuchteschäden zu vermeiden.

Eine kontrollierte Luftführung wird durch den Einsatz von Außen-Luftdurch- lässen (ALD) und Überström-Luftdurchlässen (ÜLD) realisiert. ALD und ÜLD sind nach DIN 1946-6 zu berechnen und einzustellen. Dabei ist das resultierende Schalldämmmaß nach DIN 4109 zu beachten. Zum Nachweis dieser Anforderungen ist ein Lüftungskonzept zu erstellen.

 

Lüftungskonzept

Das Lüftungskonzept enthält die Bedingungen für die Lüftung von Nutzungs- einheiten bzw. einzelnen Räumen, die Festlegung der Luftvolumenströme und die Auswahl des Lüftungssystems unter Beachtung bauphysikalischer, hygienischer, lüftungs- und gebäudetechnischer Gesichtspunkte. Das Lüftungskonzept muss unter Beachtung der lüftungstechnischen Situation der gesamten Nutzungseinheit erstellt werden, weil jede lüftungstechnische Einzel-Maßnahme immer auch Auswirkungen auf alle anderen Räume der Nutzungs- einheit hat. Das gilt auch, wenn nur einzelne Räume mit einem ventilator- gestützten Lüftungssystem gelüftet werden sollen. Die Luftdichtheit bzw. Luftdurchlässigkeit der Hüllkonstruktion der gesamten Nutzungseinheit ist zu beachten. Der Luftwechsel zum Feuchteschutz muss immer nutzerunabhängig garantiert sein. Die Erfüllung der festgelegten Anforderungen ist im Rahmen der Inbetriebnahme und Übergabe nachzuweisen und entsprechende Dokumente dem Bauherrn zu übergeben.


Die DIN 1946-6 fordert ein Lüftungskonzept für neu zu errichtende und für zu modernisierende oder Instand zusetzende Gebäude mit lüftungstechnisch relevanten Änderungen. Änderungen an einem bestehenden Gebäude sind dann lüftungstechnisch relevant, wenn

- im Mehrfamilienhaus mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht werden und

- im Einfamilienhaus mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht bzw. mehr als 1/3 der Dachfläche abgedichtet werden.

Ein Lüftungskonzept ist auch zu erstellen, wenn Einzelraum-Lüftungsgeräte eingesetzt werden (vergl. DIN 1946-6 Abschnitt 4.1 und 6.1.3.1).

 

Das bedeutet, dass durch die Festlegungen der DIN 1946-6, die im Planfeststellungsbeschluss ausdrücklich gefordert wird (Seite 236 Planergänzungsbeschluss 2006), für alle bestehenden Wohngebäude in den Schallschutzgebieten ein Lüftungskonzept zu erstellen ist.

 

Lüftungsanlagen und Lüftungsgeräte


Freie Lüftung in Wohnungen:

Die Freie Lüftung beruht auf thermischen Auftriebs- und Windkräften über die Fugendurchlässigkeit der Gebäudehülle (vor allem der Fenster). Sie kann als Querlüftung (siehe Abbildung 1) oder als Schachtlüftung über spezielle Abluftschächte realisiert werden.

Wenn die Undichtheit der Gebäudehülle nicht ausreicht, um den Luftvolumen- strom zum Feuchteschutz (ohne Nutzereingriff) zu erreichen, sind Außen-Luftdurchlässe (ALD) in der Wand oder im Fenster vorzusehen. Zur ungehinderten Durchströmung von den Zulufträumen zu den Ablufträumen sind Überström-Luftdurchlässe (ÜLD) zu verwenden. Die erforderlichen Außen-Luftvolumenströme zur Nenn- und Intensivlüftung können bei der Freien Lüftung durch aktive Unterstützung des Nutzers (Fensteröffnung) erreicht werden.

Abbildung 1: Freie Lüftung, Querlüftung (entsprechend DIN 1946-6 Bild A. 2)

 

Da der erforderliche Schallschutz gegen Fluglärm durch nutzerabhängige Festeröffnung nicht realisiert werden kann (insbesondere während der Nachtstunden), muss ein ventilatorgestütztes Lüftungssystem zum Einsatz kommen.

 

Ventilatorgestützte Lüftung in Wohnungen:

Neben einigen Sonderformen, wie die Hybridlüftung oder die Quelllüftung, die im Wohnungsbau kaum eine Rolle spielen, gibt es für die ventilatorgestützte Lüftung nur drei prinzipielle Systemlösungen: Unterdrucksysteme (Abluftsysteme), Überdrucksysteme (Zuluftsysteme) und Gleichdrucksysteme (Zu-/Abluftsysteme).

Die Anforderungen, Leistungsprüfungen und Kennzeichnungen an Produkte und Lüftungsgeräte für ventilatorgestützte Lüftungssysteme für Wohnungen sind in der DIN 4719 festgelegt. Es werden Lüftungsgeräte mit der Kennzeichnung H (Hygiene), E (Energie), S (Schallschutz) und F (Betrieb mit Feuerstätten) unterschieden.

Bei der Auswahl des Lüftungssystems ist ferner seine Bauart festzulegen. Eine Lüftungsanlage kann einerseits aus Lüftungskomponenten (Bauteile/Produkte) zusammengestellt oder andererseits auch als komplette Baueinheiten ausgewählt und installiert werden. Es können Einzelraum-Lüftungsgeräte, Wohnungs-Lüftungsgeräte oder Zentralventilator-Lüftungsgeräte (in Mehrfamilienhäusern) zum Einsatz kommen. Eine Liste von zertifizierten Wohnungslüftungsgeräten finden Sie hier.

Die Lüftungsgeräte und -komponenten sind für den Nenn-Volumenstrom zu bemessen. Der erforderliche Außen-Luftvolumenstrom für Intensivlüftung kann nach DIN 1946-6 durch manuelles Fensteröffnen unterstützt werden. Das ist aber durch die Anforderungen zum Schallschutz gegen Fluglärm nicht realisierbar.

 

Wenn das bestimmende Schalldämmmaß der Einzelraum-Lüftungsgeräte nicht ausreicht, um den Maximal-Schallpegel des Raumes einzuhalten, kann nur noch ein Wohnungs- bzw. Gebäude-Zentralgerät als Lösung eingesetzt werden.


In der DIN 1946-6 werden eine Vielzahl von möglichen Systemlösungen zur Wohnungslüftung erläutert (Anhang A, Bilder A1 bis A 14). Eine Auswahl von möglichen Systemlösungen sind nachfolgend dargestellt.

 

Die Systemlösung des Flughafens zum Schallschutz dagegen ist regelwidrig.

 

Es bedeuten:

Außenluft (AUL): grün

Zuluft (ZUL): rot

Abluft (ABL): gelb

Fortluft (FOL): braun

LG: Lüftungsgerät

Abbildung 2: Abluftsystem mit Zentralventilator-Lüftungsanlage und ALD im Einfamilienhaus (entsprechend DIN 1946-6 Bild A. 5)

 

Abbildung 3: Zuluftsystem, Anordnung in einer Nutzungseinheit (entsprechend DIN 1946-6 Bild A.7)

 

Abbildung 4: Zu-/Abluftsystem mit Wohnungslüftungsgerät im Einfamilienhaus (entsprechend DIN 1946-6 Bild A. 10)

 

Abbildung 5: Zu-/Abluftsystem, Einzelraum-Lüftungsgerät in den Räumen (entsprechend DIN 1946-6 Bild A. 14)

 

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Erstellt am:

05.04.2013

Letzte Aktualisierung:

04.07.2018

03.07.2018

Urteil des OVG zum Schallschutz

Drei von vier Klagen von Anwohnern des BER zum Schallschutz waren erfolgreich.

Lesen Sie die Pressemitteilung des OVG unter Download und Links >>>

 

13.01.2017

Neue Lüftungsgeräte

Nach 10 Jahren Forderungen der Betroffenen und 8 Monaten seit dem Urteil des OVG hat sich die Flughafengesellschaft nun endlich entschlossen, Lüftungs-geräte mit Zu- und Abluft und Wärmerückgewinnung in den zum Schlafen genutzten Räumen für alle anspruchsberechtigten Wohneinheiten in den Schall-schutzgebieten einzusetzen.

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

03.05.2016

Urteil des OVG zur Lüfterklage

Das OVG hat der Klage der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow stattgegeben und verpflichtet die Flughafengesellschaft eine Lüftungsplanung durchzuführen bevor Lüftungsgeräte eingebaut werden.

Lesen Sie die Pressemitteilung des OVG unter Download und Links >>>

 

Berechnungen im hx-Diagramm

Sie finden das Programm unter Download und Links >>>

 

Tauwasserbildung bei Exfiltration

Lesen Sie unter Download und Links >>>

 

Was fehlt in den Anspruchsermittlungen?

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

Innendämmung und Überdrucklüftung - eine fatale Kombination.

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

Was soll man dazu noch sagen?

Die FBB behauptet, der Einsatz und Betrieb von Lüftungsgeräten in den Wohnungen sei keine lüftungstechnische Maßnahme.

Zur Auswertung über die neuen Anspruchsermittlungen lesen Sie unter Downloads und Links >>>

Aktuelles

Jeden Montag 19:00 Uhr

Demo-Mahnwachen

Marktplatz Friedrichshagen

 

19.08.2015

Volksbegehren in Branden- burg

Mit einem Volksbegehren wollen Umweltinitiativen und betroffene Anwohner eine dritte Startbahn am BER verhindern und die Zahl der Flugbewegungen auf 360.000 pro Jahr gesetzlich begrenzen. Für ein erfolgreiches Volksbe-gehren sind bis zum 18.02.2016 80.000 Stimmen erforderlich

 

16.02.2015

Öffentliche Anhörung

im Sonderausschuss des Brandenburger Landtags zum Schallschutz am BER.

 

03.02.2015

Volksinitiative in Branden- burg

Der Landesabstimmungsleiter hat seinen Prüfbericht zur Volksinitiative "KEINE 3. STARTBAHN AM BER" vorgelegt. Demnach ist die Volksinitiative mit 26.246 gültigen Unterstüt-zungsunterschriften erfolgreich.

 

21.02.2014

Vollzugshinweise zur Anwendung der DIN 1946-6

Die Obere Luftfahrtbehörde verpflichtet die Flughafengesell- schaft mit neuen Vollzugshinwei- sen zur Anwendung der DIN 1946-6 "Lüftung von Wohnun- gen".

Das bisher von der FBB aufer- legte Lüftungssystem dürfte damit hinfällig sein und muss nun gerichtlich geklärt werden.

 

28.01.2014

Mehdorn verliert Schallschutz-Streit

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerde der Flughafengesellschaft verworfen und das Urteil des OVG zum Tagschutzziel endgültig bestätigt.

 

02.10.2013

Blankenfelde-Mahlow klagt gegen "Schalldämmlüfter"

In einer Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin Brandenburg soll die Rechts- widrigkeit des Einsatzes der ungeeigneten Zuluftgeräte festgestellt werden.