Mein Schallschutz-Tagebuch

Der Antrag auf Schallschutz
Entsprechend der Kartierung in der Schallschutzbroschüre der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH (Stand Frühjahr 2010) befindet sich unser Gebäude im Nachtschutzgebiet. Am 8. Juli 2010 haben wir einen formlosen Antrag auf Schallschutzmaßnahmen gestellt. Nach der Eingangsbestätigung am 05.08.2010 wurden wir am 16.08.2010 aufgefordert, das formelle Antragsformular und weitere Unterlagen (Grundbuchauszug, Baugenehmigung und genehmigte Baupläne) zuzusenden. Da am Gebäude (Holzständerbau-weise) seit dem Bau keine Änderungen vorgenommen wurden, sind die übermittelten Baupläne maßgenau und detailliert, einschließlich des genauen Wandaufbaus mit Wärmedämmung und Dampfsperre. Die vollständigen Unterlagen wurden am 20.09.2010 der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH zugestellt. Am 17.02.2011 wurde uns das zuständige Ingenieurbüro für die weitere Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen genannt.
Zwischenzeitlich sind wir zweimal (24.11.2010 und 10.02.2011) zu Informa-tionsveranstaltungen eingeladen worden. Auf diesen Veranstaltungen konnten (oder wollten) die dort anwesenden Firmenvertreter meine Fragen zum Lüftungssystem nicht beantworten. Auch während der Bestandsaufnahme durch das Ingenieurbüro am 03.05.2011 wurden die gestellten Fragen zur Lüftung nicht beantwortet.

Die schalltechnische Objektbeurteilung und Kostenerstattungsvereinbarung
Am 17.05.2011 erhielten wir die schallschutztechnische Objektbeurteilung (STOB). Als einzige Maßnahme wurden uns drei sogenannte Schalldämmlüfter für die Schlafzimmer zum Preis von 249,- Euro pro Stück mit Montage zugestanden.
Bemerkenswert, weil abweichend vom Planfeststellungsbeschluss (PFB), ist in der STOB die Definition des Nachtschutzziels. Dort heißt es unter Punkt 1.1.2 „Nachtschutz“:


"Für Schlafräume einschließlich der Übernachtungsräume in Beherbergungs-stätten in der Umgebung des Flughafens sind geeignete Schallschutzvor-richtungen vorzusehen. Die Vorrichtungen haben zu gewährleisten, dass durch An- und Abflüge im Rauminnern bei geschlossenem Fenster und aus- reichender Belüftung keine höheren A-bewerteten Maximalpegel als 55 dB(A) auftreten und ein für die Nachtstunden (22.00 Uhr bis 06.00 Uhr) der sechs verkehrsreichsten Monate ermittelter energieäquivalenter Dauerschallpegel von 35 dB(A) nicht überschritten wird."


Von dieser Definition habe ich mich bisher immer leiten lassen. Es sollte daher noch einmal nachgeprüft werden, ob das Ingenieurbüro wirklich nach diesem Schallschutzziel gerechnet hat. Ärgerlich ist auch die Abgeltungsklausel unter Punkt 6 der Kostenerstattungsvereinbarung (KEV). Diese ist später zurück-genommen worden. Eine Information darüber haben wir nie bekommen.
Was über die Belüftungseinrichtung unter Punkt 4.5 der KEV

 
"Der Eigentümer nimmt hiermit auch zur Kenntnis, dass bei einem Einbau von Belüftungseinrichtungen die unterstützende Fensterlüftung (Stoßlüftung am Tag) erforderlich ist, um z.B. Feuchtigkeitsschäden oder Gesundheitsschäden zu vermeiden. Die gilt erst recht für den Fall, dass Schallschutzmaßnahmen ohne Lüfter eingebaut werden."


und der beiliegenden Verzichtserklärung

 

"Die Schalldämmlüfter haben die Aufgabe, die Räume bei geschlossenen Schalldämmfenstern mit der notwendigen Frischluft zu versorgen. Die FBS weist darauf hin, dass auf Grund von bauhygienischen Notwendigkeiten, sowie von geltenden DIN-Normen bei schalldichten Fenstern der Einbau von Lüftern dringend erforderlich ist. Die Flughafen Berlin Schönefeld GmbH weist Sie ausdrücklich auf die Gefahr der Schimmelpilzbildung und der damit verbundenen Gesundheitsschäden hin. Diese Maßnahme dient über die Erfüllung von Normen hinaus dazu Ihre Gesundheit zu schützen. Zudem soll sichergestellt werden, dass eine Durchfeuchtung des Mauerwerks und damit das Entstehen von Bauschäden an Ihrem Gebäude vermieden wird."


ausgesagt wird, entspricht nicht den anzuwendenden technischen Regeln und zeugt von fachlicher Unkenntnis. Glaubt man denn wirklich, dass die Feuchte, die durch die sogenannten Schalldämmlüfter in die Umhüllungskonstruktionen eingetragen wurde, am Tag durch Fensterlüftung wieder ausgetrocknet werden könne?

Der Briefwechsel mit dem Ingenieurbüro
In jedem Falle ist das Anlass für einen Brief am 21.05.2011 mit weiteren Fragen an das Ingenieurbüro.

Das aus standardisierten Textbausteinen zusammengestellte Antwortschreiben kam bereits 24.05.2011 als E-Mail-Anhang vom Ingenieurbüro.

 

Die Antwort zeugt nicht von fachlicher Kompetenz und Kenntnis der technischen Regeln zur Wohnungslüftung (DIN 1946-6). Der eingesetzte Lüfter kann aus physikalischen Gründen niemals mit einem gekippten Fenster verglichen werden oder dieses ersetzen. Am Fenster findet ein Luftwechsel mit Zu- und Abluft ohne Druckerhöhung im Raum statt. Das Zuluftgerät erzeugt einen Überdruck im Raum und soll die feuchte Raumluft „über Undichtheiten im Objekt“ abführen. Das widerspricht völlig den Festlegungen der DIN 1646-6, in der für Zuluftanlagen Außen- und Überströmluftdurchlässe und die Begrenzung des Überdrucks auf 4 Pa gefordert wird. Die Folgen des regelwidrigen Verhaltens der Flughafengesellschaft sind Durchnässung der Wärmedämmung (höhere Heizkosten), Schädigung von Holzbauteilen und Schimmelpilzbildung im Innern der Bauteile. Was sollen die Vergleiche der Lüfter mit einem Aktenordner und die Aussage sie wären sehr wartungsarm und verbrauchten wenig Energie. Eine konkrete Beschreibung der Eigenschaften wäre von einem Ingenieurbüro schon zu erwarten. Die Verweigerung eines Nachweises der technischen Daten nach dem Einbau der Lüfter aufgrund der Zulassung ist abwegig.
Aus dem vorgenannten Gründen haben wir auch am 28.05.2011 Widerspruch gegen die STOB eingelegt und die Unterzeichnung der KEV verweigert. Leider ist im Rahmen des Schallschutzprogramms für den Flughafen Schönefeld kein ordentliches Widerspruchsverfahren vorgesehen. Die Antwort des Ingenieurbüros ist auch dementsprechend ein Dreizeiler per E-Mail:

Sehr geehrte Familie ...,
leider können wir unserem Schreiben vom 24.5.2011 nichts hinzufügen. Die Schalldämmlüfter können Sie mit einem gekippten Fenster vergleichen, es sind bundesweit anerkannte Geräte im Rahmen von Schallschutzprogrammen.
Mit freundlichen Grüßen

Will oder kann das Ingenieurbüro die Lüftungsproblematik in Wohnungen nicht begreifen?

Informationen an Bürgerinitiativen, Verbände, politische Parteien und Ministerien
Um auch andere Betroffene über die Risiken und Regelwidrigkeiten des angewendeten Lüftungssystems informieren zu können, habe ich eine Kurzinformation über die fachlichen Zusammenhänge von Schallschutz und Lüftung erarbeitet und in den folgenden Monaten an verschiedene Bürgerinitiativen, Verbände und politische Parteien im Landtag sowie am 23.09.2011 an das Ministerien für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV) und am 08.01.2012 an das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL) geschickt. Am 27.09.2011 erhielt ich folgende Antwort vom MUGV:

Sehr geehrter Herr ...,
vielen Dank für Ihren konstruktiven Beitrag in der Diskussion um die Umsetzung des Schallschutzprogramms der Flughafen Berlin Schönefeld GmbH. Gern bestätige ich Ihnen, dass das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) im Rahmen seiner fachlichen Beteiligung bei der Beurteilung von Beschwerden gegenüber der Planfeststellungsbehörde sowie im Rahmen des institutionalisierten Dialoges in Foren, wie dem Dialogforum oder dem Bürgerdialog, die dargestellte Problematik bereits aufgegriffen hat. Ihren konstruktiven Beitrag werde ich daher an das LUGV weiterleiten, um ihn in die fachliche Arbeit einfließen zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen

Die Antwort des MIL erreichte mich am 26.01.2012:

 

Sehr geehrter Herr ...,
Ihre E-Mail vom 08.01.2012 habe ich am 09.01.2012 erhalten.
Ich habe Ihr Schreiben an die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB; zuvor Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH) mit der Bitte um Stellungnahme weitergeleitet. Sobald ich eine Antwort der FBB erhalten habe, werde ich mich unaufgefordert an Sie wenden.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag Bayr

Eine Stellungnahme habe ich nie erhalten. Erst später habe ich erfahren, dass das MIL in den meisten Fällen auf Fragen Betroffener so antwortet. 

Briefwechsel mit dem Hersteller
Da die Antworten vom Ingenieurbüro und vom MIL völlig unbefriedigend waren, habe ich nun den mir em­pfohlenen Hersteller (am 15.01.2012) und den Flughafenbetreiber direkt (am 23.01.2012) angeschrieben und um Antworten auf konkrete fachliche Fragen gebeten. Hier die Fragen an den Hersteller.

Die Antwort kam am 01.02.2012.

 

Kennt der Hersteller wirklich die Festlegungen der DIN 1946-6 nicht oder ignoriert er sie einfach? Unter Punkt 6.1.3.1 fordert die DIN ein Lüftungskonzept für die gesamte Nutzungseinheit, wenn Einzelraum-Lüftungsgeräte eingesetzt werden. Auch die Argumentation, dass in der Vergangenheit an anderen Standorten vielfach  Zuluftgeräte eingesetzt wurden, hat keine Bedeutung, weil sie in der früheren Fassung der DIN nicht beschrieben worden sind. Seit der Neufassung der DIN 1946-6 sind Zuluftgeräte ohne definierte Abluftführung regelwidrig. Und dass mir der Text der Zulassung durch das DIBt aus „konzernrechtlichen Gründen“ verweigert wird, hat schon etwas besonderes. Das DIBt ist eine öffentlich-rechtliche Einrichtung. Auf der Datenbank des DIBt finde ich dann auch die Zulassung und kann mir den gesamten Text herunterladen. Aus dem Text geht hervor, dass die Zuluftgeräte nur unter der Bedingung eingesetzt werden dürfen, wenn geeignete Abluftvorrichtungen vorhanden sind. Diese werden im Lüftungssystem der FBB aber nicht verwendet. Zufällige Undichtheiten in der Gebäudehülle können ja nun wirklich keine geeigneten Abströmeinrichtungen sein.
Hier meine Entgegnung:

Eine Antwort auf diesem Brief habe ich nicht mehr erhalten.

Briefwechsel mit dem Flughafenbetreiber
Der Brief an den Flughafenbetreiber hat folgenden Wortlaut:

 

Am 24.02.2012 kam dann die Antwort von der FBB.

Verstehen die mit dem Schallschutz beauftragten Fachleute der FBB wirklich die DIN 1946-6 nicht, die sie als  „nicht bauaufsichtlich eingeführt“ betrachten, obwohl ihre Anwendung im PFB/PFBErg ausdrücklich gefordert wird? Und warum stützen sie ihre Argumentation auf den von ihr ausgesuchten Hersteller, der sicherlich andere wirtschaftliche Interessen haben dürfte? Aber ich nehme den Hinweis an und informiere mich auf der Internetplattform der Siegenia Aubi. Dort finde ich ein Lüftungslexikon, in dem meine Auffassung voll bestätigt wird, dass beim Einsatz von Zuluftgeräten große bauphysika-lische Risiken für die Außenbauteile bestehen und Außen- und Überström-luftdurchlässe erforderlich sind. Meine Entgegnung schicke ich am 7. März 2012 ab.

 

Auf diesen Brief habe ich von der Flughafengesellschaft keine Antwort mehr erhalten. Aber etwas anderes passierte. Nach kurzer Zeit verschwand das Lüftungslexikon von der Internetplattform des Herstellers. Glücklicherweise hatte ich es mir vollständig heruntergeladen.

 

Weitere Entwicklungen

Es gab aber auch positive Ereignisse. Anfang Februar 2012 wurde das ILK Dresden vom Dialogforum mit der Entwicklung eines neuen Lüftungsgerätes für den Schallschutz mit Zu- und Abluft und Wärmerückgewinnung (WRG) beauftragt. Ziel war eine Machbarkeitsstudie im April 2012 und ein marktreifes Gerät im Sommer 2013.

Der Brandenburger Landtag beschloss am 22.03.2012, im Rahmen des Schallschutzprogramms Lüftungsgeräte mit Zu- und Abluft und WRG einzusetzen.


Am 15.03.2012 wurde ich zu einer Sitzung des Infrastrukturausschusses im Brandenburger Landtag eingeladen. Auf dieser Sitzung wurden Bürgermeister und Verbände von betroffenen Gemeinden angehört. Hauptkritikpunkte waren neben dem ungeeigneten Lüftungssystem und unzulänglichen Schallschutz-maßnahmen vor allem die Täuschung des Flughafenbetreibers beim Tagschutzziel. Der Flughafen kündigte durch seine Anwälte einen Klar- stellungsantrag bzw. eine Planänderung an. Der Geschäftsführer der FBB, Prof. Schwarz, gab für die geringe Zahl der ausgeführten Schallschutzmaß-nahmen den Betroffenen die Schuld, weil sie die KEV nicht unterzeichneten (Warum wohl, bei soviel prinzipiellen Unklarheiten und Täuschungsmanövern von Seiten der FBB?). Der anwesende Minister Vogelsänger äußerte sich dazu nicht.

Weiterer Briefwechsel mit dem Ingenieurbüro
Da ich meinte, ein Umdenken beim Schallschutz erkennen zu können, richtete ich am 07.05.2012 noch einmal ein Schreiben an das zuständige Ingenieurbüro.

 

Der Eindruck war aber nur scheinbar und die Antwort des Ingenieurbüros maßlos enttäuschend:

Sehr geehrte Familie ...,
zu Ihrem 4. Widerspruch eingegangen am 31.05.2011 möchten wir wie folgt Stellung nehmen:
Unseren Schreiben und der des Flughafen Berlin Brandenburg GmbH können wir zur Lüfterproblematik nichts mehr hinzufügen.
Dennoch ist uns nicht verständlich, was sich durch das Schallschutzprogramm ändern soll, wenn Sie selber schreiben, dass ein Stoßlüften in Ihrem Hause nicht ausreichend ist. Somit muss es ja bereits jetzt ein Lüftungskonzept, Anlage und Ablufteinrichtungen in Ihrem Hause vorhanden sein.
Mit freundlichen Grüßen

Soviel Überheblichkeit und fachliche Inkompetenz habe ich noch nicht erlebt. Zu keinem Argument auch nur ein einziges Wort der Erklärung. Das konnte ich nicht unwidersprochen lassen und habe am 11.05.2012 meine Stellungnahme an das Ingenieurbüro übermittelt.



Der gesamte Briefwechsel zeigt, dass der Flughafenbetreiber nicht gewillt ist, geltendes Recht einzuhalten und versucht, die billigste und selbst regelwidrige Lösung durchzusetzen. Eine selbstherrliche Rechtsauffassung des Flughafenbetreibers wird offenbar: Man muss nur oft genug gegen Regeln verstoßen, um die Regelwidrigkeit zu legitimieren. Diese Vorgehensweise ist auch deshalb perfide, weil Flughafen und Genehmigungsbehörde die Betroffenen zwingen als Auftraggeber aufzutreten, um sich ein regelwidriges System einbauen zu lassen.

Gespräche, Anfragen und Informationen
Gespräche mit dem Ombudsmann (10.01.2012 und 13.03.2012) und beim Beratungszentrum in Blankenfelde-Mahlow (28.06.2012) konnten auch deshalb zu keiner Lösung führen.


Dass das Thema Wohnungslüftung und Schallschutz von großem Interesse in unserer Region ist, zeigen die vielen Informationsveranstaltungen der betroffenen Gemeinden und Bürgerinitiativen und die fast täglichen Pressemeldungen. Deshalb habe ich auch weitere Informationen zu diesem Thema („Wohnungslüftung unter dem Gesichtspunkt von erhöhtem Schallschutz“ und „Warum sind die Belüftungseinrichtungen der FBB ungeeignet?“) und eine Vortragspräsentation verfasst. Auf Einladung der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow konnte ich am 14.12.2012 die Präsentation vor ca. 150 Betroffenen erläutern.


Auf zwei Veranstaltungen (25.10.2012 in Schulzendorf und 16.11.2012 in Eichwalde) konnte ich den neuen Chef der Stabsstelle Schallschutz beim Flughafen, Herrn Lehmann, zur Lüftungsthematik befragen. Nachdem er erklärt hatte, dass bisher nicht alles so gut verlaufen wäre und dass sich mit ihm das jetzt ändern würde, bestätigte er auf beiden Veranstaltungen, dass im Sommer 2013 neue Lüftungsgeräte mit Zu- und Abluft und Wärmerück-gewinnung zur Verfügung stehen würden. Die Betroffenen könnten bis dahin mit den Einbau warten oder dann nachrüsten lassen. Die gleiche Aussage wurde auch im Dialogforum gemacht.


Am 07.02.2013 fand im Rathaus Köpenick auf Einladung des Bezirks-bürgermeisters Treptow-Köpenick und des Bürgermeisters der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow ein Experten-Workshop zum Thema Schallschutz gegen Fluglärm statt. In der Arbeitsgruppe „Lüftung“ waren Vertreter von wissenschaftlichen Instituten, von Normenausschüssen, des Landesumwelt-amtes, eines Ingenieurbüros, Hersteller von Lüftungsgeräten und ein Vertreter des Flughafens anwesend. Während sich der Flughafenvertreter und der Hersteller Siegenia Aubi zur fachlichen Problematik (DIN 1946-6) nicht äußerten, wurde von den Anwesenden die Regelwidrigkeit des verordneten Zuluftsystems ohne kontrollierte Abluftführung bestätigt. Und noch eine Aussage war bemerkenswert. Auf Nachfrage erklärte der Vertreter des ILK Dresden, der vom Dialogforum den Auftrag zur Entwicklung eines neuen Lüftungsgerätes erhalten hatte, dass es in absehbarer Zeit keine Neuentwicklung geben und das dem Markt überlassen würde. Die Machbarkeitsstudie wäre zwar verfasst worden (April 2012), sie sei aber geheim und werde nicht veröffentlicht. Soviel zu Transparenz und Halbwertzeit der Aussagen des Flughafens gegenüber den Betroffenen.


Die Argumentation des Flughafenbetreibers zum Lüftungssystem gleicht eher einem Glaubensbekenntnis, als der Beschreibung von physikalischen Gesetzmäßigkeiten und Festlegungen in technischen Regeln. Es werden Studien und Gutachten angeführt, von denen weder die Autoren noch die Titel genannt werden, oder zurückgehalten, wenn sie Gegenteiliges aussagen. Werden denn die Schallschutzmaßnahmen durch Juristen und Kaufleute festgelegt oder durch Ingenieure und Wissenschaftler geplant? Müssen denn die Betroffenen immer erst geltendes Recht vor Gericht erstreiten und große finanzielle Mittel zum Prozesskostenrisiko persönlich aufbringen, während der Flughafen seine Anwälte und Gutachter auf Steuerzahlerkosten finanziert? Diesen Fragen sollte sich vor allem die Politik stellen. Die Meinung der Betroffenen hat sich mit dem erfolgreichen Volksbegehren zum Nachtflugverbot ausdrucksvoll manifestiert.

Briefwechsel mit den Behörden

In der Erwartung, dass sich zwischenzeitlich ein Umdenken zum Lüftungssystem bei Behörden und Flughafen durchgesetzt haben könnte, habe ich im April 2013 den Flughafenkoordinator in der Staatskanzlei, Herrn Staatssekretär Bretschneider, die Staatssekretärin Frau Schneider im MIL und den Schallschutzbeauftragten der FBB, Herrn Lehmann, angeschrieben.

 

Die Antwort, die Herr Breitschneider hat schreiben lassen, war nichtssagend. In meiner Rückantwort habe ich dann auch meine Unzufriedenheit ausgedrückt. Daraufhin kam dann noch eine Antwort aus der Staatskanzlei.

 

Am 18.07.2013 hat mir das MIL auf meine Briefe vom Januar 2012 und Mai 2013 geantwortet. Das lange und in sich widersprüchliche Antwortschreiben von Herrn Bayr gipfelt in der Feststellung, dass die DIN 1946-6 nicht angewendet und der Landtagsbeschluss nicht umgesetzt werden sollen. Um die Widersprüchlichkeit zum Planfeststellungsbeschluss und zur DIN deutlich zu machen, habe ich das Schreiben mit Kommentierungen versehen.

 

Herr Lehmann hat es bislang vorgezogen, gar nicht zu antworten.

 

Schreiben an die Abgeordneten des Brandenburger Landtages

Am 15.06.2013 habe ich alle 88 Brandenburger Landtagsabgeordnete per Mail angeschrieben, um sie an ihre Beschlüsse und die Umsetzung von geltendem Recht entsprechend Planfeststellungsbeschluss zu erinnern. Drei E-Mails waren nicht zustellbar. Von den verbleibenden 85 Landtagsabgeordneten haben 2 geantwortet, nämlich Christoph Schulze, der das Schreiben zum Anlass nahm, eine Kleine Anfrage an die Landesregierung zu stellen und die Grünen-Fraktion, die entsprechende Fragen in der 5. Sitzung des Sonderausschusses BER stellte. In Beantwortung der Fragen erklärte die Staatssekretärin, dass der Landtagsbeschluss zum Einsatz von Zu-/Abluft- geräten mit Wärmerückgewinnung nicht umgesetzt werden soll und dass die DIN 1946-6 (obwohl im Planfeststellungsbeschluss ausdrücklich gefordert) zum Schallschutz nicht gelte, weil die Einzelraum-Lüftungsgeräte ein- bzw. ausgeschaltet werden können (Welches technische Gerät kann nicht ein- und ausgeschaltet werden???). Von den Regierungsfraktionen erfolgte, obwohl sie alle informiert waren, kein Widerspruch.

Entweder kennt die Staatssekretärin den Planfeststellungsbeschluss und die DIN nicht, oder wurde falsch beraten (siehe Protokoll 5. Sitzung Sonderausschuss BER). Die DIN 1946-6 "Lüftung von Wohnungen" behandelt ganz besonders auch Einzelraum-Lüftungsgeräte.

 

Am 22.07.2013 kam noch eine Antwort von Herrn Holzschuher (SPD). Als hätte es mit dem von Betroffenen organisierten Experten-Workshop eine solche Möglichkeit nicht gegeben, vertritt er die Ansicht, dass diese Fragen nicht auf dem politischem Weg, sondern im Konsens mit allen Beteiligten am Tisch zu lösen sind (lesen Sie selbst). Die Durchsetzung von geltendem Recht ist aber keine technische sondern eine sehr politische und juristische Frage.

21.02.2014 - Neue Vollzugshinweise der LuBB

Die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB) verfügt neue Vollzugshinweise zur Umsetzung baulicher Schallschutzmaßnahmen. Mit diesen Vollzugshinweisen wird die FBB endlich verpflichtet, entsprechend der Forderung der Planfeststellung die DIN 1946-6 "Lüftung von Wohnungen" anzuwenden (siehe auch unter Rubrik "Downloads und Links" dieser Website). Herr Mehdorn reagiert daufhin gereizt und verschiebt die Sanierung der Nordbahn auf das Jahr 2015.

Von Seiten des Flughafens ist nach Monaten (Ende Mai 2014) keine Reaktion bei der Umsetzung erkennbar.

 

Neue Anspruchsermittlungen zum Schallschutz

In den Monaten August, September, Oktober 2014 verschickt die FBB neue Anspruchsermittlungen (ASE) zum Schallschutz im Tagschutzgebiet der neuen Südbahn. Die Maßnahmen zur Lüftung in diesen Gebäuden entsprechen weder den Anforderungen der DIN 1946-6, noch den Bedingungen der baulichen Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) und noch nicht einmal den unzureichenden Festlegungen der Vollzugshinweise der LuBB vom 21.02.2014. Eine erste Auswertung finden Sie unter der Rubrik "Downloads und Links" dieser Website.

 

Mündliche Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht

Am 8. Dezember 2014 fand vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) eine mündliche Verhandlung zur Klage der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow in Bezug auf die regelwidrige Umsetzung der lüftungstechnischen Maßnahmen beim Schallschutz statt. Das Gericht wird zur weiteren Klärung "Sachverständigenbeweis über Einzelfragen zur Anwendung der DIN erheben".

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Erstellt am:

05.04.2013

Letzte Aktualisierung:

04.07.2018

03.07.2018

Urteil des OVG zum Schallschutz

Drei von vier Klagen von Anwohnern des BER zum Schallschutz waren erfolgreich.

Lesen Sie die Pressemitteilung des OVG unter Download und Links >>>

 

13.01.2017

Neue Lüftungsgeräte

Nach 10 Jahren Forderungen der Betroffenen und 8 Monaten seit dem Urteil des OVG hat sich die Flughafengesellschaft nun endlich entschlossen, Lüftungs-geräte mit Zu- und Abluft und Wärmerückgewinnung in den zum Schlafen genutzten Räumen für alle anspruchsberechtigten Wohneinheiten in den Schall-schutzgebieten einzusetzen.

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

03.05.2016

Urteil des OVG zur Lüfterklage

Das OVG hat der Klage der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow stattgegeben und verpflichtet die Flughafengesellschaft eine Lüftungsplanung durchzuführen bevor Lüftungsgeräte eingebaut werden.

Lesen Sie die Pressemitteilung des OVG unter Download und Links >>>

 

Berechnungen im hx-Diagramm

Sie finden das Programm unter Download und Links >>>

 

Tauwasserbildung bei Exfiltration

Lesen Sie unter Download und Links >>>

 

Was fehlt in den Anspruchsermittlungen?

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

Innendämmung und Überdrucklüftung - eine fatale Kombination.

Lesen Sie unter Downloads und Links >>>

 

Was soll man dazu noch sagen?

Die FBB behauptet, der Einsatz und Betrieb von Lüftungsgeräten in den Wohnungen sei keine lüftungstechnische Maßnahme.

Zur Auswertung über die neuen Anspruchsermittlungen lesen Sie unter Downloads und Links >>>

Aktuelles

Jeden Montag 19:00 Uhr

Demo-Mahnwachen

Marktplatz Friedrichshagen

 

19.08.2015

Volksbegehren in Branden- burg

Mit einem Volksbegehren wollen Umweltinitiativen und betroffene Anwohner eine dritte Startbahn am BER verhindern und die Zahl der Flugbewegungen auf 360.000 pro Jahr gesetzlich begrenzen. Für ein erfolgreiches Volksbe-gehren sind bis zum 18.02.2016 80.000 Stimmen erforderlich

 

16.02.2015

Öffentliche Anhörung

im Sonderausschuss des Brandenburger Landtags zum Schallschutz am BER.

 

03.02.2015

Volksinitiative in Branden- burg

Der Landesabstimmungsleiter hat seinen Prüfbericht zur Volksinitiative "KEINE 3. STARTBAHN AM BER" vorgelegt. Demnach ist die Volksinitiative mit 26.246 gültigen Unterstüt-zungsunterschriften erfolgreich.

 

21.02.2014

Vollzugshinweise zur Anwendung der DIN 1946-6

Die Obere Luftfahrtbehörde verpflichtet die Flughafengesell- schaft mit neuen Vollzugshinwei- sen zur Anwendung der DIN 1946-6 "Lüftung von Wohnun- gen".

Das bisher von der FBB aufer- legte Lüftungssystem dürfte damit hinfällig sein und muss nun gerichtlich geklärt werden.

 

28.01.2014

Mehdorn verliert Schallschutz-Streit

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerde der Flughafengesellschaft verworfen und das Urteil des OVG zum Tagschutzziel endgültig bestätigt.

 

02.10.2013

Blankenfelde-Mahlow klagt gegen "Schalldämmlüfter"

In einer Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin Brandenburg soll die Rechts- widrigkeit des Einsatzes der ungeeigneten Zuluftgeräte festgestellt werden.